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Herbstsonne
Nach einer anstrengenden Nacht hat sich am Morgen alles wieder beruhigt. Der Wind weht mit sechs Beaufort und hat etwas südwestlich gedreht, sodass der Hafen wieder ruhig ist. Der Wetterbericht spricht auch nicht mehr von 'schweren' Schauer- und Gewitterböen, sondern von Schauer- und Gewitterböen tout court.
Gestern, bei einem langen Spaziergang zur Boddenseite, an einer Pferdekoppel vorbei, durch einen alten Mischwald und dann ein ganzes Stück am Jasmunder Bodden entlang, musste ich daran denken, mit welcher Zuversicht ich früher auf Booten unterwegs war. Starkwind in der Biskaya mit meterhohen Wellen, ich wurde von den Schiffsbewegungen in der Vorschiffskoje regelmäßig in die Luft gehoben. Und konnte trotzdem zwischendurch gut schlafen. Das ist jetzt bald zwanzig Jahre her. Und in diesen zwanzig Jahren habe ich weitere Segelerfahrung gesammelt, auch Starkdwindsituationen erlebt (allerdings nur wenig wirklich Extremes), bin seit zehn Jahren mit dem eigenen Boot unterwegs, das ich inzwischen sehr gut kenne. Trotzdem bin ich ängstlicher geworden. Einmal im positiven Sinn der Furcht, die vor dem Ablegen zu guter Vorbereitung beiträgt, damit man nach dem Ablegen sicher sein kann, auf alles vorbereitet zu sein. Dann aber auch Angst im negativen Sinn, die lähmt, hindert, den Spaß verdirbt.
Als in der letzten Nacht also die Böen im Rigg heulten und das Boot auf die Seite drückten habe ich versucht, an diese frühe Zuversicht wieder heranzukommen. An das Vertrauen ins Boot und alle an Bord, dass alle anstehenden Situationen gemeistert werden. Dass wir das Boot gut gesichert haben und dass deshalb in den nächsten Stunden sowieso nichts mehr zu machen ist außer schlafen. Während ich das so dachte legte sich das Boot nochmal heftig in die Leinen und mir fiel auf, dass ich auf der luvwärtigen Bank lag. Also nahm ich Decke und Kissen, zog auf die leewärtige Bank, legte mich schlafen und jetzt, am nächsten Tag, weht der Wind weiter stark, aber scheint auch die Sonne durch die Fenster, das Boot liegt nach der kleinen Winddrehung auf Südwest wieder ruhiger, alles ist gut. Für morgen ist abnehmender Wind angekündigt, dann segeln wir weiter.

22. Sep. 2018

Storm Chaser (wider Willen)
Losgefahren sind wir bei bestem Wetter. Am Horizont der Wettervorhersagen deutet sich etwas heftigerer Wind schon an. Wir dachten: Das passt, machen wir doch ein Starkwindtraining.
Bei sehr sonnigem, mildem Wetter segelten wir in Greifswald los, mit drei bis vier Beaufort aus Südwest durch den Strelasund. Nachdem wir Stralsund passiert hatten schlief der Wind ein und wir liefen das letzte Stück bis Barhöft unter Motor. Eine Premiere: Obwohl ich seit vielen, vielen Jahren in dieser Gegend unterwegs bin und oft an diesem Ort vorbei gefahren bin war ich noch niemals in Barhöft.
Als wir ankommen ist es schon dunkel. Einige Boote sind im Hafen, viele Plätze sind aber auch frei. Längsseits an der Mole liegt eine Yacht, um die schon die Krangurte gewickelt sind. Die Saison ist eigentlich vorbei. Wir legen uns mit Heckboje an den Steg. Zwei Plätze weiter liegt eine Charteryacht mit ordentlich Crew, die sich einen Kommentar zu unserer Methode, auf den Steg zu kommen -- das Freibord von Aimé ist so hoch, dass man vom Bug aus ein kleines Stück runterspringen muss -- nicht verkneifen können ('gefährlich' usw.). Wir springen drüber weg.
Eine Seite des Hafens ist Baustelle, hier werden neue Fingerstege ausgelegt, man versucht den Platz für möglichst viele Boote zu nutzen. Vorgestellt habe ich mir Barhöft immer als Seenotrettungs- und Lotsenhafen, ein Seehafen en miniature noch im Boddenbereich, erste und letzte Station für alle, die nach Westen wollen oder von Westen kommen. Barhöft ist aber natürlich auch: Urlaubsort, Seglerhafen, und bald eben Marina. Der Preis für die Übernachtung spricht auch nicht für mein romantisches Bild, wir zahlen für 11 Meter und zwei Personen 20,5 Euro. Ein stattlicher Preis. Als ich letztes Mal am späten Abend in der Dunkelheit von See kommend hier ankam bin ich nicht in den Hafen gefahren, sondern habe geankert. Auch eine gute Option in der Gegend.
Von Barhöft aus segeln wir am nächsten Tag raus auf die Ostsee, an Hiddensee vorbei, bei gutem Wind. Von der Nordspitze Hiddensees bis zum Kap Arkona segeln wir mit einer kurzen Unterbrechnung unter Vollzeug und Schmetterling. Das Wetter ist sonnig und warm. Die Luft ist etwas diesig, über uns zeigen sich Cirruswolken, die sich nach Westen hin schon verdichten. Das Tief, das in den nächsten Tagen Starkwind bringen soll, kündigt sich an.
Als kleiner Vorgeschmack frischt bei Kap Arkona der Wind auf gut fünf Beaufort auf. Das Boot beschleunigt stark, wird extrem nervös und ist kaum noch auf Kurs zu halten. Wir schiften das Großsegel und bergen mit Mühe die große Genua. Um nicht zuviel Höhe zu verlieren drehen wir nur unter Großsegel ins Tromper Wiek. Dann packen wir die Genua zusammen, setzen unsere Starkwindfock, reffen das Groß und segeln entspannt weiter nach Glowe.
Im Hafen liegen nur Dauerlieger, außer uns sind keine Yachten hier, die irgendwie unterwegs wären. Alle sind vor den anrückenden Tiefs in die Boddengewässer gefahren, weiter südlich sind die Häfen nicht ganz so exponiert, Stralsund etwa, oder noch weiter südlich dann Greifswald, wo der Wind erstmal eine ganze Weile über Land wehen muss und dadurch gut gebremst wird.
Aber wir sind ja Storm Chaser, wir suchen den Wind, wollen bei Starkwind aus West ein wenig im Tromper Wiek, der weitläufigen Bucht südlich von Kap Arkona, trainieren. In der Bucht ist man vor den hohen Wellen geschützt, die sich draußen auf der Ostsee bei Starkwind sehr schnell aufbauen. Wir wollen ein wenig testen, wie sich Aimé bei Starkwind manövrieren lässt, wie das beste Setup fürs Beidrehen ist, zur Mittagspause dann ankern und sehen, wie gut das funktioniert. Anfangs, als wir die Fahrt geplant haben, dachte ich sogar, dass wir testweise ein Stück am Kap vorbei auf die offene See steuern könnten, um unter echten Seebedingungen bei sieben bis acht Beaufort und zwei bis drei Meter hohen Wellen das Beidrehen zu testen. Aber das war vor der Abfahrt, zuhause am Schreibtisch oder auf dem Sofa, da habe ich oft solche Ideen, die sich später, unterwegs, als zu weitreichend zeigen.
Seit gestern nachmittag liegen wir also in Glowe. An Starkwindtraining denkt hier niemand mehr. Heute zwischen vier und fünf zog wie angekündigt eine Wetterfront durch und brachte regen und Windböen bis neun Beaufort. Die Situation erinnert mich an einen Sturm, den wir im Hafen der Insel Fedje (Norwegen) abwettern mussten. Vielleicht war es dort etwas schlimmer. Ich hoffe es jedenfalls. Jedenfalls war es keine besonders gute Idee, bei Sturmwarnung den zweitnördlichsten seeseitigen Hafen von Rügen anzulaufen, um von hier aus Starkwindtraining zu machen. Dabei ist der Hafen von Glowe noch recht gut geschützt. Die Hafeneinfahrt geht zwar nach Westnordwest, der Hafen ist aber an der westlichen Seite der Tromper Wiek und deshalb nach Westen durch Landseite geschützt. Trotzdem bauen sich schon bei diesem geringen Abstand zum Land durch den starken Wind ernstzunehmende Wellen auf, die jetzt direkt in den Hafen stehen. Etwa 30-50 cm hohe Wellen laufen unter dem Boot durch. An Bord fühlt sich das so an, wie wenn man bei schönem Wind auf dem offenen Wasser unterwegs ist. Nur dass wir hier an vier Leinen hängen und dass der Wind mit 7-9 Beaufort das Boot zum Teil stark überholen lässt.
Wenn wir also mal Storm Chaser waren, dann sind wir jetzt von Jägern zu Gejagten geworden. Die Wettervorhersage ist nicht berauschend, allerdings auch nicht besonders schlimm. Die nächsten 36 Stunden sind weiterhin sechs bis sieben Beaufort mit schweren Schauer- und Gewitterböen, also Böen mit 8-10 Beaufort, vorhergesagt. Wir haben das Boot mit zusätzlichen Leinen als Safeguards gesichert, falls eine Vor- oder Achterleine brechen oder durchscheuern sollte und wir das nicht merken in der Nacht. Es sollte also doch irgendwie gehen. Nächstes Mal gehen wir dann wieder in einen Hafen, der besser geschützt ist. In Stralsund weht der Wind 1-2 Beaufort weniger stark. Das würde hier und jetzt einiges ausmachen. Man merkt das an den kurzen Pausen, die der Wind macht, und an den Böen, wenn sie durchziehen. In den Pausen ist es angenehm ruhig und gut erträglich, die Wellen ebben etwas ab, alles beruhigt sich. Und mit der nächsten Bö legt sich das Boot wieder weit über, die Leinen fangen an zu knarzen, der Wind pfeift und heult in den Wanten, die Wellen lassen das Boot arbeiten.
Irgendwie also doch Starkwindtraining -- Schlechtwetter durchstehen im Hafen. Auch das will allerdings geübt sein, und sei es nur für die Routine, die es braucht, um sich bei diesen Bedingungen zwischendurch auch mal zu entspannen oder zu schlafen.
Vom Starkwindtraining sind wir also abgerückt. Wir brauchen erstmal ein paar Trainingstage bei weniger Wind und stabilem Wetter. Für Sonntag sind abflauende Winde vorhergesagt. Das soll, wenn sich nicht nochmal was ändert, unser nächster Segeltag werden. Und dann geht es mit Sicherheit wieder in die geschützteren Boddengewässer.

21. Sep. 2018

Die Ostsee stirbt
Vor einigen Jahren, als mir die Sache mit dem Klimawandel in ihrer unausweichlichen Konsequenz deutlich wurde, habe ich einen zynischen Plan gefasst: Wenn es soweit ist, dass das Nordpoleis abgeschmolzen ist, und nur noch kleine Eisschollen im Nordmeer treiben, dann fahre ich mit meinem Boot mit einer Flasche Champagner zum Nordpol und kühle den Champagner mit dem letzten Eis.
Weil das noch eine Weile dauert habe ich jetzt noch ein paar andere Punkte auf die Liste gesetzt. In ein paar Jahren soll es zum Great Barrier Reef vor Australien gehen, das heute schon zu großen Teilen abgestorben ist. Aber ein guter Teil ist auch noch schön und lebendig. Wenn ich dort also vorbeikomme, dann hole ich mir eine tote Koralle aus dem Meer, mahle sie zu Pulver und Staub, und trinke das dann für den Knochenaufbau (Kalzium!).
Weil es aber inzwischen besonders dringend erscheint -- die sogenannten toten Zonen breiten sich Jahr für Jahr weiter aus und es ist nur eine Frage der Zeit, bis das Gewässer kippt -- segeln wir dieses Jahr rund um die Ostsee.
Algen haben wir im August zwischen Rügen und Schweden schon erlebt. Diesmal scheint der Teppich besonders groß zu sein. Die Größe der Algenteppiche und die Größe der Todeszone hängen zusammen. Die Algen entziehen dem Wasser den Sauerstoff, außer den Algen stirbt alles, dann sterben auch die Algen und sinken auf den Boden, es wächst nichts mehr nach. Grund für die besonders heftige Algenblüte dieses Jahr sind die anhaltend hohen Wassertemperaturen und der üblich hohe Eintrag von Nährstoffen, insbesondere durch Düngemittel aus der Landwirtschaft. Düngemittel heißt auch: Kuhscheiße. Was macht das aus der Ostsee?
Ja, ich freue mich trotzdem auf die Reise.

Ein Malstroem aus Algen
"Summer Blooms in the Baltic and Barents"

24. Jul. 2018

Lesetip
Wow, Wilfried Erdmann postet auf seiner Webseite Auszüge aus dem Logbuch seiner ersten Weltumsegelung, und daraus die Fahrt von Kapstadt nach Helgoland. Danke, Wilfried!
http://wilfried-erdmann.de/segeltoerns/50jahre/50jahre.htm

07. Jan. 2018

aimé jetzt mit videoüberwachung - galore!
Länna: Visby -- Hafen

28. Aug. 2017

Öland, Spätsommer
Lange hat es gedauert, jetzt ein erster Gruß von unterwegs. Ich liege vor Öland, in einer Bucht an der Nordspitze der Insel, morgen früh will ich weiter nach Gotland. Seit zehn Tagen bin ich unterwegs und habe trotz Ruhetagen inzwischen das Gefühl, dass ich mal irgendwo ankommen muss. Und warum nicht Gotland? Ein Ostseeklassiker und für mich bisher immer ein mythisches Ziel, weil meistens unerreichbar. Erst aus Zeitgründen, weil Törns nie länger waren als zehn Tage, später dann, mit eigenem Boot, als die Reichweite mit den Jahren größer wurde, führten die Reisen nach Norwegen. Und jetzt liegt sie also in Reichweite, etwa 45 Seemeilen sind es bis Visby, zur Inselhauptstadt mit Seehafen, und auch mit dem wenigen Wind, der für morgen angekündigt ist, sollte das mit einer Tagesreise zu schaffen sein. Ich bin gespannt. Seit der Überfahrt von Bornholm nach Utklippan war ich nicht mehr auf der offenen Ostsee. Deshalb habe ich den Tag heute auch vor Anker in der Bucht verbracht und eine Okklusionsfront mit viel Wind und Schauerböen durchziehen lassen. Für morgen ist mildes und sonniges Wetter, aber auch wenig Wind angesagt. Ich stelle mich auf eine ruhige, aber lange Überfahrt ein.

Utklippan

25. Aug. 2017

Die richtige Mischung aus Fertig und Los
Als ich beim Boot ankam hätte mir schon klar sein können, dass ich, anders als gedacht, nicht nach zwei oder drei Tagen, sondern frühestens nach einer Woche Basteln, Pflegen, Vorbereiten loskommen würde. Weil dieses Mal noch andere, nicht boots- oder reisebezogene Dinge dazukommen, wird es sogar noch mehr. Bastelzeit ist aber auch diesmal ziemlich genau eine Woche. Donnerstag bin ich hier angekommen, heute ist Dienstag, den Tag morgen brauche ich noch für den Abschluss der Arbeiten, und wenn ich das richtig sehe, dann heißt einen Tag einplanen etwa zwei Tage Arbeit.
Dabei hatte dieses Mal alles so gut angefangen: Zwei Aufgaben zur Weiterentwicklung standen auf der Liste: Den AIS-Transponder einbauen und die Sprayhood wieder montieren (komplett, also Beschläge setzen, Gestänge montieren, Tuch aufziehen). Zwei bis drei Tage hatte ich dafür eingeplant.
Dazu dann die üblichen Reisevorbereitungen: Einkaufen, Deck waschen, bewegliche Teile schmieren, Segel anschlagen, Vorschiff unter Deck aufräumen, Diesel und Wasser checken usw.
Im Hinterkopf hatte ich -- und erst jetzt wird mir klar, dass ich das gleich hätte einplanen müssen -- die große Motorwartung. Der Motor ist inzwischen etwas mehr als fünfhundert Stunden gelaufen. Davon etwa 250 Stunden in den letzten drei, vier Jahren, allein im letzten Jahr wegen der langen Fahrt etwa 150 Stunden. Das spiegelt allerdings nicht ganz sein stolzes Alter von inzwischen 35 Jahren. Die Wartung war (ist!) also wirklich fällig. Das Betriebshandbuch listet ein paar Dinge, die alle fünfhundert Stunden zu machen sind, zusätzlich zu den Punkten, die alle 250 Stunden und alle hundert Stunden auf der Liste stehen. Also durchaus große Baustelle. Spezial 500 sind Kontrolle und gegebenenfalls Austausch von Thermostat und Zinkanoden, außerdem Einstellung der Dieseldüsen. Die Dieselgeschichten kann ich nicht selber machen, dafür braucht man ein Prüfgerät. Aber Thermostat und Zinkanoden, das sieht im Handbuch nicht so kompliziert aus.
Nachdem ich gleich am ersten Tag den Großeinkauf für die nächsten Wochen erledigt hatte, fing ich am Nachmittag mit dem Motor an. Der Deckel des Thermostats ließ sich leicht lösen, das Thermostat selbst nicht so sehr. Erst mit der Zange krieg ichs rausgezerrt. Beim Nachlesen im Handbuch dauert es eine Weile, bis ich den Kühlkreislauf, die Funktion des Thermostats und die Zustände des Thermostats verstehe. Aber dann wird klar, dass das Thermostat kaputt ist. Obwohl es kalt ist, ist es offen, es sollte aber geschlossen sein. Blöd. Andererseits Glück im Unglück. Und gleich doppelt! Einmal hat das dazu geführt, dass der Motor trotz kaputtem Thermostat gelaufen ist. Nicht optimal, weil er lange kalt bleibt -- es fließt ständig Kühlwasser durch die Kühlkanäle, auch wenn der Motor kalt ist und das Thermostat dafür sorgen sollte, dass das Kühlwasser nicht durch den Motor fließt. Aber damit überhitzt der Motor nicht. Wäre das Thermostat im geschlossenen Zustand stehen geblieben, hätten wir Probleme bekommen, möglicherweise in einem ungünstigen Moment (Hafeneinfahrt, Anlegen usw.). Zweites Glück im Unglück: das offene Thermostat ließ sich mit der Zange rausziehen. In geschlossenem Zustand gibts nichts, wo man mit der Zange angreifen könnte.
Nach der Ausbauaktion -- zu der natürlich auch das komplette Entwässern des Motors gehörte -- rief ich bei diversen Firmen an, um sofort ein neues Thermostat zu bestellen. Ich wollte ja in zwei Tagen schon los! Leider war Samstag 14 Uhr. Entweder war niemand da oder man vertröstete mich auf Montag. Aber Montag bestellen würde langes Warten bedeuten. O Niedergeschlagenheit, da war sie wieder.
Andererseits hatte diese Aktion gerade einen guten halben Tag gedauert. Der ursprüngliche Plan war eh im Eimer. Aber anyway: Deckwaschen. Musste ja gemacht werden. Beim Anschließen des Schlauchs dran gedacht, dass der Abwasserschlauch in der Pantry ziemlich zugewachsen ist. Vor eineinhalb Jahren war das schonmal, damals hatte geholfen, den Abfluss mit Druck durchzuspülen. Mach ich doch mal eben vor dem Deckwaschen. Also Schlauch angeschlossen, Schlauchende auf den Abfluss gehalten, Abfluss vom zweiten Becken zugehalten, Wasser Marsch.
Druck reicht nicht aus, weil das Wasser neben dem Schlauch ins Becken drückt. Klar. Also Lappen suchen, um das Schlauchende wickeln, das dann auf den Abfluss drücken, zweiter Versuch. Jetzt hält der Druck, auch wenn natürlich ein bisschen Wasser ins Becken drückt. Ich lasse laufen, bis das Becken voll ist. Wasser stop. Oh, unterm Waschbecken ist auch Wasser. Wo kommt das denn her? Oh, das läuft auch die Wand runter. Damn. Und auf dem Bodenbrett steht eine kleine Lache. Klar, der Abfluss ist echt nicht für hohen Druck gebaut. Wenn normal Wasser abfließt, ist alles dicht, aber mit der Aktion hab ich einiges durch die Dichtungen unterm Waschbecken gedrückt. So ein Blödsinn. Also Aufwischen, sauber machen, trocknen. Dann Pause. Dauer der Aktion: Zwei Stunden. Deck waschen drei Stunden. Halber Tag vorbei.
Beim Anschlagen des Großsegels entdecke ich, dass eine Klampe am Mast locker sitzt. Die, die das Großfall hält, oder zumindest zusätzlich zur Klemme noch sichert. WTF? Ich hole einen Schraubenzieher und demontiere die Klampe. Eins der zwei Schraubenlöcher ist so korrodiert, dass das Gewinde nicht mehr hält. Also neues Gewinde schneiden, Schrauben eine Nummer größer. Gewinde schneiden geht schnell, insgesamt eine Stunde. Kann ich ja noch die anderen Klampen checken. Oh, die fürs Fockfall bewegt sich auch. Also Schrauben raus. Gewinde aber in Ordnung. War mit Dichtmasse angesetzt, deshalb keine Korrosion. Gewinde geschmiert, Schrauben wieder rein, ohne Dichtmasse. Verschlimmbessern ist eben auch eine Lösung.

Die Liste geht noch weiter. Irgendwann fällt mir die titelgebende Formulierung ein: Man muss die richtige Mischung zwischen fertig und los finden. Die erste Klampe war nötig, da war was kaputt. Aber die zweite? Saß prima, hätte gehalten, unnötiger Aufwand. Und solche Dinge gibt es immer wieder viele. Statt alles auf Los zu setzen, setze ich auf Fertig, und vergesse dabei, dass dieser Zustand nie erreicht werden kann. Wenn man ohne Einschränkung anfängt, am Boot zu arbeiten, dann wird man nicht fertig. Hab ich selbst nie geglaubt, wenn ich das gelesen hab, als ich noch kein Boot hatte. Früher bin ich gesegelt, Basteln war nur selten nötig. Allerdings wünsche ich mir die Tage als Lohnskipper und Segellehrer auch nicht wirklich zurück. Ist ein ganz anderes Segeln als jetzt.

Was ist aber die richtige Mischung aus Fertig und Los? Ich hab keine Ahnung. Ich geh den Weg jedes Mal wieder neu. Fange an mit Fertig, und wenn dann zig Baustellen eröffnet und einige Dinge abgearbeitet sind, dann kommt langsam das Los. So vom Gefühl her. Dann will ich wirklich los. Und meistens geht es dann auch bald los. Nur noch dies und das schnell erledigen. Und dann aber wirklich ...

08. Aug. 2017

Reisevorbereitungen
Es hat lange gedauert dieses Jahr und die Reise fängt ein wenig verschoben an. Erst Anfang August geht es los, Ende September muss ich wieder zurück sein. Ungefährer Kurs: Nordnordost. Im Moment bin ich dabei, im Netz ein paar Revierinfos zusammenzutragen. Und habe endlich eine gute Quelle gefunden, erstaunlicherweise die kostenlose Voransicht eines Bezahlartikels in der Yacht.

Es scheint nicht so leicht zu sein, gute Revierinfos zum nördlichen Teil der Ostsee zu finden, zumal auf deutsch.

  • Der Revierführer Schweden von Isenberg/Strittmatter hat jeweils ein Kapitel zu den beiden nördlichen Teilen der Ostsee, es fehlen aber leider konkrete Hinweise zu guten Ankerplätzen.
  • Nicholas Hill hat die Häfen von seiner Reise 2013 recht gut dokumentiert.
  • Das Attraction Book von Visit Bothnian Bay enthält nautische Infos zu den Häfen im Bottnischen Meerbusen auf der schwedischen und auf der finnischen Seite (englisch). Keine Hinweise zu Ankerplätzen, dafür sind auch sehr kleine Anlegemöglichkeiten (Steg an der Schäre) beschrieben. Die Hafenpläne sind ohne Seekarteninformationen (Tiefe, Anfahrt etc.), also keine ernstzunehmenden Detailpläne.
to be continued..

Andere Segel- und Revierführer enden meist mit dem Schärengarten von Stockholm:

  • Der Revierführer Ostsee (DSV-Verlag) endet auf der schwedischen Seite etwas unteralb der Aland-Inseln, auf der Ostseite der Ostsee knapp über Sankt Petersburg, Bottensee und Bottenwiek werden also komplett ausgespart. Schade. Bleibt zu hoffen, dass es dort, wenn ich überhaupt so weit komme, auch entsprechend ruhig ist.
  • Das Hafenhandbuch Ostsee (I+II) (DSV-Verlag) endet ungefähr (oder genau) an der gleichen Linie.
  • Der Törnführer Schweden von den Claußens endet ebenfalls mit Arholma, also ein kleines Stück nördlich von Stockholm.
Das Boot ist ansonsten gut ausgerüstet. Ich habe den AIS-Receiver durch einen AIS-Transponder ersetzt und dabei auch gemerkt, dass der Antennensplitter kaputt ist. Damit ist auch die Frage geklärt, warum wir auf der Fahrt nach Norwegen im letzten Jahr immer so schlechten Empfang hatten (shame on me, dass ich das nicht früher rausgefunden habe).
Damit sehen wir jetzt nicht nur die Berufsschiffahrt und Yachten mit Transponder, sondern wir werden auch gesehen.

26. Jul. 2017

Ohne Saugen und ohne Spezialgerät Sprit aus dem Kanister in den Tank füllen
Nur weil ich Zeit meines Lebens nach einer solchen Lösung gesucht habe und selber nie auf diese geniale Idee gekommen bin muss ich das hier posten. Das Problem kennen alle, die auf einem Boot jemals Sprit aus dem Reservekanister in den Tank gefüllt haben. Diese Lösungen sind bisher bekannt:

  • Ein Trichter wird in den Einfüllstutzen gesteckt, dann wird der Sprit aus dem Kanister in den Trichter gefüllt. Probleme dabei: Der Kanister ist zu schwer (zwanzig Liter Diesel wollen erstmal gehoben sein), der Dieselfluss deshalb kaum kontrollierbar, Trichter läuft über, Kanister gluckert, in beiden Fällen läufts die Soße aufs Deck oder, schlimmer noch, ins Wasser.
  • Ein Schüttelschlauch läuft vom Kanister in den Tank. Durch Schütteln wird der Sprit über den höchsten Punkt des Schlauchs gedrückt, danach fließt es von alleine. Ein geniales System, ich wollte mir immer schon so ein Teil zulegen. Problem: Hab ich noch nicht gemacht, und wenn das Teil nicht da ist (kann ja auch mal verloren gehen), dann wird auch nicht geschüttelt.
  • Ansaugen: Bevor der Schlauch, durch den der Sprit vom höherstehenden Kanister in den Tank laufen soll, in den Tank gesteckt wird, wird der Sprit mit dem Mund über den höchsten Punkt gesaugt. Einfache Lösung, Problem: Diesel im Mund wenn man das nicht regelmäßig geübt hat.
Alle diese Lösungen sind nicht verkehrt, aber genial finde ich wirklich den Tip von Charlie Loznak, den ich gerade bei Yacht online gelesen habe:
Das Befüllen eines Außenbordertanks geht selten ohne größere Schweinerei vonstatten. Mit der Methode "Druckbetankung" ist verschüttetes Benzin dagegen Vergangenheit. Dazu wird vom Nachfüllkanister zum Tank eine Schlauchleitung gelegt und die Kanisteröffnung mit einem Lappen oder einem passenden Stopfen abgedichtet. Bläst man nun durch ein zweites Schlauchstück in den vollen Kanister, bringt der Überdruck den Kraftstoff über den höchsten Punkt hinaus zum Fließen. Der Rest läuft nach, bis der Kanister leer ist.

20. Apr. 2017

Der ultimative Wetterbericht

(Aus einer Bauanleitung für einen 'keltischen Wetterstein')

Stein ist heiß: Sommer
Stein ist kalt: Winter

Stein ist sichtbar: Tag
Stein ist unsichtbar: Nacht
Stein ist am Tage unsichtbar: Nebel

Stein wirft Schatten: Sonne
Stein ist nass: Regen
Stein ist weiß: Schnee
Stein bewegt sich: Wind
Stein bewegt sich heftig: Sturm

Stein springt: Erdbeben
Stein im Wasser: Flut
Stein bewegt sich im Wasser: Sturmflut

Stein weist zum Himmel: Welt geht unter
Stein liegt am Boden: Vandalen
Stein ist weg: wurde geklaut

06. Apr. 2017

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